Auslaufmodell Zoo

Zoos 100 Jahre nach Rembrandt Bugatti


Löwe mit Hund

Die zoologischen Gärten waren schon immer und sind heute noch lehrsame Ausstellungen einheimischer, besonders aber exotischer Tiere. Und sie sind Gefangenenlager. Heute tritt jedoch der volksbildende Wert der Zoos dank hervorragender in freier Wildbahn und mit hohem verhaltensforscherischen Anspruch komponierter Filme immer mehr in den Hintergrund, steht nahezu auf verlorenem Posten. Zudem kann sich kaum ein Zeitgenosse noch der Erkenntnis verweigern, dass Zoos zwar ihren Unterhaltungswert haben, aber trotz aller gestalterischen Bemühungen um den Anschein von "Wildnis" doch von einer artgerechten Haltung der Tiere unerreichbar weit entfernt sind. Ja, Zoos stinken zum Himmel! Sollen sie ihre Daseinsberechtigung nur noch mit der Vermittlung der eigenen Obsoleszenz und dem Gaudium der Schaulustigen begründen?

Die Exoten fristen ihr Dasein in Gefangenschaft, entwickeln gelegentlich schwerste Neurosen und atypische Verhaltensweisen, die dem empathischen Beobachter Tränen in die Augen treiben. Denn diese Wesen können zwar keine anrührenden Gedichte, Sinfonien oder kritischen Stellungnahmen schreiben, können auch die Erde nicht in ein Räubernest und Schlachthaus verwandeln, aber sie leiden existentiell darunter, dass ihnen das fehlt, wozu sie geboren sind, nämlich "born to be wild". Die wirklich freie und möglichst auch menschenfreie Wildbahn wäre ihr artgerechter Lebenraum. Das spüren sie, das verstört sie und das haben sie Rembrandt Bugatti mitgeteilt, der es in vielen seiner Schöpfungen genial zum Ausdruck gebracht hat. Grundsätzlich ändert auch die "Gnade" einer Nachzüchtung in Gefangenschaft nichts daran, nichts an der genetischen Bestimmung dieser Tiere. So drollig auch das eine oder andere Arrangement wirken mag, eine große Zahl der Kreationen atmet die erschütternde Trauer dieser lebenden Exponate.

Immerhin verzichtet man heute auf die im Mittelalter übliche Zurschaustellung exotischer, extrem fettleibiger oder missgebildeter Menschen. Auch den Tieren sollten wir dies ersparen.

Grzimek: Ich habe die Vision, dass Menschen eines Tages keine Zoos mehr brauchen, sondern dass sie bereit sind, Reisen auf sich zu nehmen, um Tiere in Freiheit, in ihrer natürlichen Umwelt und nicht hinter Gittern oder Panzerglas zu sehen.

Anmerkung: R. Bugatti nahm sich 1916 das Leben.


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