Paradigmen

und ihr Wechsel

• menschliche Lebensumstände und kulturelle Evolution unter dem Aspekt des Paradigmenwechsels • ©Paradigmen2002 •

Röntgen

  


Vor Entdeckung der X-Strahlen galt:

Auf irgendeine Art und Weise in das Innere unseres Körpers zu schauen, ohne ihn aufzuschneiden, sogar ohne ihn auch nur zu berühren: Dies ist ein Ding der Unmöglichkeit!

Die genaue Lokalisation und Beschaffenheit eines Knochenbruchs sowie die Beobachtung seiner Abheilung, der Verlauf und die Durchgängigkeit der Blutgefäße, des Darms, der Harnwege, das Aufspüren von Gallen- oder Harnsteinen, dies alles zu sehen, auf Bildern betrachten zu können, wäre wunderbar, ist aber eben doch nur Phantasterei, schade ...

Und doch bleibt es ein Menschheitstraum, mit dessen Erfüllung so viele Erkrankungen so viel früher und so viel genauer erfasst und behandelt werden könnten.

Doch, was unmöglich scheint, bleibt Wunsch, bleibt Traum, bleibt ein Fall für Illusionen.




W. C. Röntgen schafft ein neues Paradigma:

Bei experimentellen Arbeiten mit Kathodenstrahlröhren entdeckt Wilhelm Conrad Röntgen (1845-1923) zufällig, dass Kathodenstrahlen einige Kristalle zur Fluoreszenz anregen, die auf seinem Labortisch von anderen Arbeiten noch liegen geblieben waren. Das Besondere daran ist jedoch, dass die Kathodenstrahlröhre mit Pappe abgedeckt ist. Eigentlich hätte - nach den Kenntnissen über das Verhalten bekannter Strahlen - keine Lumineszenz auftreten dürfen. Es muss also eine neue Art von Strahlen sein, die feste Materie zu durchdringen vermag. Neben dieser Fähigkeit der bisher unbekannten Strahlung - daher von ihm "X-Strahlen" genannt - stellt R. auch fest, dass sich Photopapier von den unsichtbaren Strahlen schwärzen lässt. Im angelsächsischen Sprachraum werden Röntgenstrahlen wie von Röntgen vorgeschlagen "X-rays" genannt.

Ende Dezember 1895 veröffentlicht Röntgen eine wissenschaftliche "Mitteilung" unter dem Titel

"Eine neue Art von Strahlen. Vorläufige Mitteilung."

1901 erhält Röntgen für diese Entdeckung den Nobelpreis für Physik . Er war übrigens der erste Nobelpreisträger dieser Fachrichtung.

Mit diesen Strahlen ist ihm eine wahrhaft gigantische Entdeckung gelungen, die nicht nur die Medizin revolutioniert, sondern eine große Zahl anderer Disziplinen erst entstehen lässt wie Röntgenastronomie, Röntgenmaterialprüfung, R.-Spektroskopie und Röntgenlasertechnologie.

Eine unglaubliche Wende vollzieht sich in der Medizin. Die neue Methode hält langsam erst, dann immer schneller und unaufhaltsam Einzug in die Medizin und viele technische und wissenschaftliche Disziplinen. Nahezu keine medizinische Grunduntersuchung kann auf Röntgendarstellungen verzichten, ganz zu schweigen von den weiterführenden Spezialuntersuchungen wie etwa die Computertomographie oder die differenzierten fachspezifischen Röntgen- Untersuchungen (z.B. Cholangiographie, Urographie, Angiographie usw.). Ein Menschheitstraum ist in Erfüllung gegangen.

Anfangs kennt man die Risiken der Röntgenstrahlen nicht, die ja zu den ionisierenden Strahlenarten gehören. Diese Risiken - von Krebserzeugung bis Keimgutschädigung - werden heute auf Grund strahlensparender Technologie und bestimmter Auflagen der Strahlenschutzverordnung in Grenzen gehalten.