www Informationstechnologie


Paradigmen

und ihr Wechsel

• menschliche Lebensumstände und kulturelle Evolution unter dem Aspekt des Paradigmenwechsels • ©Paradigmen2002 •

IT

  

Informationstechnologie einst:

Der zivilisatorische - oder besser: kulturelle - Fortschritt hängt ohne Zweifel entscheidend von der Informationstechnologie (IT) ab. Diese wiederum steht und fällt mit der Qualität der Datenverarbeitung einerseits und des Datentransports andererseits.
In der frühen Menschheitsgeschichte werden der neueste Klatsch, Nachrichten aus der Siedlung, aus der Ferne, vielleicht sogar aus dem "Ausland" mit Buschtrommeln, Rauchzeichen und natürlich mündlich von Mensch zu Mensch weitergegeben. Das Sprachverständnis und ein gewisses Repertoir an "termini technici" sind die Grundbestandteile dieser frühen IT.
 
Höhlenbilder und anderes künstlerisches Schaffen, Buschtrommeln, Rauchzeichen oder Brieftauben stellen bereits eine relativ hohe Ebene der Signalgebung, der Informations-Weitergabe dar. Der von Natur aus kreative Mensch (J. Beuys: "Jeder Mensch ist ein Künstler") hat hier bereits die körpereigenen Informationsmittel (Sprache, Gestik) hinter sich gelassen und mit neuem Instrumentarium und neuen Informationsträgern Botschaften hinterlassen oder weitergegeben.

Vor etwa 5000 Jahren entstanden die ersten Schriften und mit ihnen eine größere Sicherheit der Informationsinhalte und die um ein Vielfaches verbesserte Möglichkeit der Überlieferung. Aber erst im 13. Jahrhundert/vuZ gelang es den Phönikern, die ideographischen (Bilder-)Schriften durch eine phonetische Buchstabenschrift zu ersetzen. Auch dies ein wahrhafter Paradigmenwechsel. Zunächst fehlten auch diesem Alphabet noch die Vokale. Diese wurden etwa im 9. Jahrhundert/vuZ von den Griechen hinzugefügt. Bei der weiteren Ausbreitung im Mittelmeerraum ersetzten die Römer die alten Bezeichnungen der Buchstaben (Alpha, Beta, Gamma ...) durch die einfachen Laute des ABC, mit Ausnahme einiger erst später übernommener Buchstaben (Jot[a], Ypsilon, Vau, Zet[a]). Eine weitere Vervollkommnung der Schrift wurde im 9. Jahrhundert/n durch die Entwicklung der Minuskeln erreicht. Die lateinische Schrift beweist ihre kaum noch zu verbessernde Vollkommenheit allein schon dadurch, dass es bis heute keine Änderungen fordernde Kritik an dieser Schriftart gegeben hat.

Und so geht es lange Zeiten weiter. Noch lange ist keine Informationstechnik in Sicht, die eine massenweise und rasche Verbreitung von Informationen in Gang gesetzt hätte. Wissen, handwerkliche Fertigkeiten und politische Weisheiten oder Daten der Gemeinden werden erst mündlich, dann handschriftlich festgehalten und tradiert.

Wie mühsam das Schreiben und x-malige Abschreiben ist, wissen wir aus unserer Alltagserfahrung nur zu gut: Denn wer würde ein Buch, das er unbedingt an seine Freunde oder Kinder weitergeben möchte, zehnmal abschreiben, kalligraphisch abschreiben, wie es im MA die Kopistenmönche in ihren Skriptorien machen müssen? Wo heute doch nur wenige Menschen Zeit und/oder Lust haben, handschriftlich z.B. regelmäßige Briefkorrespondenzen zu führen.

Nein, ein Hilfsmittel muss her, mit dem man Schriftstücke beliebig oft vervielfältigen könnte, damit nicht nur einige Privilegierte die wenigen Exemplare einer wichtigen Nachricht, eines Gedichts oder wissenschaftlichen Werks besitzen können. Und damit Künstler, Wissenschaftler, Philosophen, Propheten nicht in ihrem Elfenbeinturm bleiben, sondern ihre Weisheiten, Erkenntnisse, Mitteilungen hinaus in alle Welt verbreiten können.

Und Hilfsmittel müssen her, die den Transport der Informationen über das Tempo eines Läufers von Marathon, eines Reitpferdes oder einer Postkutsche hinaus beschleunigen können.

Nun, die Zivilisation befindet sich zu dieser Zeit nicht nur in Sachen IT, sondern in ganzer Breite in einem frühen Stadium. Daher wird es wohl noch geraume Zeit dauern, bis ein völlig neuer Schwung in das Nachrichtenwesen kommt und eine Informations-Lawine auslöst. Und so bleiben eben die meisten Menschen ungebildet, wohlgemerkt nicht dumm, sondern ungebildet, uninformiert, unwissend. Sie bleiben damit in hohem Maße manipulierbar und gehen Demagogen, Klerikern, Quacksalbern und anderen Betrügern und vorgetäuschten Notwendigkeiten leicht auf den Leim.

Vorbilder, Vergleiche, Neues oder Korrekturen des Altüberbrachten sind nur in sehr engem Umfeld zu finden. Es fehlt der weite Horizont, die Befruchtung durch Anderes, Fremdes. Ja, Fremdes ist man nicht gewohnt, es stört außerdem die bequeme Ruhe, stellt sogar eine Bedrohung dar, macht Angst und erzeugt Hass: Fremdenhass stellt ein Zeichen mangelnder Geistes- und Herzensbildung dar. Doch die hier beschriebenen Zeiten können dem nicht abhelfen.

... weiter im Text mit dem : Wechsel des Paradigmas


Wie kann ein Text beliebig oft vervielfältigt werden,

ohne dass ganze Schreibstuben jahrein, jahraus mit der mühsamen Plackerei des sorgfältigen Abschreibens beschäftigt sind und am Ende doch nur wenige, viel zu wenige Exemplare entstehen?

Gewiss, Institutionen, die sich ihre geistige Vorherrschaft und damit die Unmündigkeit der Bevölkerung erhalten wollen, sind an einer Demokratisierung, einer massenweisen Verbreitung jeglicher Informationen, des elementaren Wissens nicht interessiert. So versucht die katholische Kirche bis in unsere Zeiten, ihren Gläubigen eine freie Bildung vorzuenthalten, die Lektüre aufklärender Bücher, ja sogar der Bibel zu verbieten und fordert bis in die 1960er Jahre strikt die lateinischer Sprache in der Liturgie. Der Ratzinger-Papst Benedikt XVI. hat das Latein erneut in den Vordergrund gestellt. Die Motivation ist allzu durchsichtig. Diese Institutionen verlieren auch den letzten Rest von Kompetenz und Glaubwürdigkeit.

Der Mensch ist von Natur aus neugierig. Er ist ein mit Forscherdrang ausgestattetes Wesen. Und dieser Forscherdrang ist überlebenswichtig! Nur, was der Mensch kennenlernt und versteht, kann er sinnvoll nutzen, verbessern, kann er lieben. Nur, wer die Zusammenhänge unserer menschlichen Existenz mit der übrigen Natur erfährt und versteht, wird die nötige Liebe zur Natur entwickeln und sich als Teil dieser Natur verstehen und integrieren. All dies ist nur mit der freien Verfügbarkeit allen Wissensstoffs erreichbar.

Im China weit vor unserer Zeitrechnung schnitzt man ganze Buchseiten in Spiegelschrift auf Holzplatten und kann mit diesen Druckstöcken beliebig viele Drucke anfertigen: Drucke auf Papyrus oder Pergament. Im Jahre 105 macht wiederum die chinesische Hochkultur eine grandiose Erfindung, hält sie allerdings über mehrere Jahrhunderte geheim: Die Papierherstellung - eine Großtat menschlicher Erfindungskunst. Das mühsam aus dem Mark des Papyrus-Grases hergestellte "Papyrus" oder auch das aus Tierhäuten gewonnene Pergament werden vom geschöpften Papier - dem heutigen Material vergleichbar - abgelöst. Allerdings dauert es über 1000 Jahre, bis dieses Verfahren den Weg nach Europa findet. Die einfache und billigere Herstellungstechnik, die bessere Qualität und damit die Möglichkeit der Massenproduktion sorgen für einen unaufhaltsamen Siegeszug dieser Erfindung.

Wiederum in China werden erste Entwicklungen zu beweglichen Einzel-Lettern aus Ton oder im beginnenden 15. Jahrhundert aus Eisen gemacht. Doch erst die Erfindung des Johannes Gutenberg (um 1398-1468) ermöglicht eine geradezu explosionsartige Ausbreitung von Druckwaren aller Art: Flugblätter, Grammatiken, Bibeln, Ablassbriefe, Gelehrtenwerke. Er entwickelt ein Handgießgerät für Lettern, mit dem sich der ungeheure Bedarf an einzelnen beweglichen Druck-Typen in Groß- und Kleinschrift in den verschiedenen Schriftarten mit Satzzeichen leicht decken lässt. So vermag er mit dieser Technik in einer Stunde 100 Lettern zu fabrizieren - ein ungeheurer Fortschritt! Diese Buchstaben-Typen werden zu Wörtern, Sätzen und ganzen Kapiteln gesetzt und durch Hintergießen mit Blei zu Buchseiten montiert. Die einzelne Letter entsteht mittels Patrize und Matrize und wird aus einer Legierung von Blei, Zinn u. a. gegossen. Der Druckvorgang selbst wird durch eine weitere Innovation gewaltig beschleunigt: Das bisherige Abreibverfahren wird durch die Druckerpresse ersetzt, die als Spindelpresse Papier und Drucksatz zwischen zwei starken Holzplatten zusammenpresst.

So ästhetisch ansprechend die Handschriften auch sind, der Buchdruck erzielt eine brillante Wiedergabe des Textes mit einer perfekten und gleichmäßigen Darstellung der einzelnen Buchstaben. Die weltbewegende Neuerung jedoch liegt in der raschen und nahezu unbegrenzten Vervielfältigung, die jetzt möglich geworden ist und eine lawinenartige Verbreitung und ständige Weiterentwicklung der neuen Technik induziert. Bis in das 19. Jahrhundert bleibt dabei das Gutenberg'sche Prinzip des Buchdrucks unverändert!

1679 entwickelt Gottfried Wilhelm Leibniz, der sich bei philosophisch-theologischen Äußerungen mit eher seltsamen Widersprüchen hervorgetan hat, das binäre Zahlensystem, das die einzelnen Ziffern einer Zahl nicht - wie im Dezimalsystem üblich - mit den Zeichen "0 - 9", sondern lediglich mit "0" und "1" kennzeichnet. So kann die Zahl "13" mit "1101" wiedergegeben werden. Er begründet damit die binäre Algebra.
Georg Boole greift Jahrhunderte später auf die von Leibniz formulierten mathematischen Gesetze zurück und begründet 1847 die "boolsche Algebra". Er führt Operationssymbole wie "gleich-ungleich", "größer-kleiner" usw. ein und beweist, dass sich durch Anwendung algebraischer Regeln auf diese Symbole logische Ergebnisse erzielen lassen. Dies ist die Grundlage für die spätere Entwicklung der Computer-Logik und des Informationsaustausches über das World Wide Web (WWW).

  
Die schwarze Saat

Die schwarze Saat auf weißem Feld

ist schwarz - gewiss, doch sie erhellt

was sonst dem Alltags-Munkel-Dunkel,

der Amnesie zum Opfer fällt.

Top