Paradigmen

und ihr Wechsel

• menschliche Lebensumstände und kulturelle Evolution unter dem Aspekt des Paradigmenwechsels • ©Paradigmen2002 •

Vorwort

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Georg Christoph Lichtenberg (1742-1799) soll einmal ausgerufen haben: "Nach dem Beweis der Heliozentrik unseres Planetensystems müssen alle neuen Entdeckungen nach diesem Paradigma dekliniert werden."

Ja, es war eine gewaltige wissenschafliche Revolution, die mit dem Glauben an die Erde als Mittelpunkt des Weltalls aufräumte, eine unfassbar weite, neue Perspektive in der Welt der Wissenschaften schuf, die den Nährboden für unzählige neue Forschungen zubereitete und ein weiteres Mal die christlichen Kirchen gemahnte, die Unumstößlichkeit der Bibel-"Wahrheiten" aufzugeben.

Das Wort Paradigma (Plural: Paradigmen oder Paradigmata) ist griechischen Ursprungs. Es bedeutet:

      τό παράδειγμα = das Muster, Vorbild, Beispiel.

Auch wenn es in verschiedenen Wissenschaften (Philosophie, Sprachwissen­schaft, Rhetorik, Wissenschaftstheorie) entsprechend ausgerichtete "Paradigmen"-Bedeutungen gibt, so herrscht doch im allgemeinen Sprachgebrauch meist die wissenschaftstheoretische Bedeutung vor: Grundmuster, Grundauffassung in einer wissenschaftlichen Disziplin zu einem bestimmten Zeitpunkt.
Der Hase läuft und läuft. Plötzlich schlägt er einen Haken, entkommt so der Meute. Wenn uns auch ein Paradigmen-Wechsel in unserer Alltagsbefindlichkeit herzlich wenig kümmert, so spüren wir doch nach und nach - mal eher, mal später - den Einfluss des neuen "Musters" auf unser Alltagsleben: den Sprung in der gesellschaftlichen Entwicklung, die fruchtbare Neuorientierung oder zusammenfassend den Fortschritt der kulturellen Evolution, der letztlich unserem Überleben im Kampf mit der "Meute" dient. Mit der kleinen Auswahl dieser Seite sollen einige Paradigmen näher betrachtet werden. Es könnte dabei deutlich werden, dass jedes "alte" Paradigma auf einem "Irrtum" oder "Unvermögen" beruht und das neue der Wahrheit und den Möglichkeiten menschlicher Schaffenskraft etwas näher gekommen ist. Wir können sehen, dass Paradigmen Entdeckungen, Erkenntnisse darstellen, aber auch Schöpfungen sein können. Also längst Vorhandenes, uns zunächst noch Verborgenes wird entdeckt, erkannt, gefunden oder noch nie Dagewesenes wird erfunden, geschaffen.

Wir können auch sehen, dass Paradigmen mal eine universale, mal eine globale, nationale oder sogar "nur" individuale Bedeutung haben. In jedem Fall sind sie Beginn einer Wendezeit.

Und warum? Ja, warum treibt es den Menschen zur Suche, zu neuen Erfindungen, zum Fortschritt? Ich denke, dass Manfred Hausmann (1898-1986) der Wahrheit sehr nahe kommt, wenn er zum Fortschritt spaßig schreibt:



Ohne Faulheit kein Fortschritt !

Weil der Mensch zu faul war zu rudern,
erfand er das Dampfschiff;
weil er zu faul war, zu Fuß zu gehen,
erfand er das Auto;
weil er zu faul war, abends die Augen zuzumachen,
erfand er das Fernsehen.



Tatsächlich müssen wir bestätigen, dass die meisten "Errungenschaften" um uns herum den einen großen Zweck verfolgen können: das Leben einfacher, bequemer, ungefährlicher, zukunftsfähiger und vielleicht auch glücklicher zu machen. Aber in der Realität bringen "Errungenschaften" immer Vor- und Nachteile mit sich, können das Leben auch komplizierter, beschwerlicher, gefährlicher, zukunftsuntauglicher und unglücklicher machen.